Ich (m, 60) mag ebenso wie meine neue Partnerin (w, 45) Oralverkehr. Allerdings bekam sie danach schon mehrere Male (ca. 5x) eine Blasenentzündung, so dass wir das jetzt nicht mehr tun. Sie hatte auch Milchsäurezäpfchen u,Ä. versucht. Seit wir nur normalen Verkehr haben gibt's keine Probleme mehr, aber ich würde sie gern wieder lange oral verwöhnen.
Woran kann das liegen? Sind wir mikrobiologisch nicht kompatibel? Mache ich vielleicht was falsch? Aber was könnte das sein? Kann ich ihr etwas anderes als die MS-Zäpfchen empfehlen?
Vielen Dank!
Unsere Antwort
Meiner Meinung nach ist es unwahrscheinlich, dass Keime aus deinem Mund zur Blasenentzündung bei deiner Partnerin führen.
Die meisten Blasenentzündungen sind durch E. coli-Bakterien verursacht. Und diese stammen meist aus dem eigenen Mikrobiom der Frau, also meistens aus ihrem eigenen Darmtrakt. Der eigentliche Auslöser ist etwas anderes: Wenn das eigene Urogenital-System, also die Harnröhre und die Blase durch irgendetwas überfordert wird, wird es den Bakterien einfach gemacht, die Schleimhautbarriere im Harntrakt zu überwinden und zu einer Infektion zu führen.
Die «Überforderung» kann eine mechanische Überbeanspruchung sein durch das Reiben am Genitale (beim Geschlechtsverkehr/Fingern/intensiven Cunnilingus). Oder wenn die Schleimhäute sehr sensibel und dünner sind, zum Beispiel infolge eines tiefen Oestrogens. Dann gelingt es den Bakterien auch leichter, die Schleimhautschranke zu durchbrechen und zu Infektionen zu führen. Ein lokaler Oestrogenmangel im Genitalbereich spielt bei Frauen rund um die Menopause eine häufige Rolle oder auch unter der Pilleneinnahme.
Warum es bei deiner Partnerin nach Oralsex zu den Blasenentzündungen kommt und nicht nach dem Geschlechtsverkehr kann ich zwar auch nicht wirklich erklären. Vielleicht werdet ihr noch schlauer, wenn ihr verschiedene Optionen ausprobiert. Du könntest zum Beispiel mal ein Lecktuch verwenden beim Oralsex, so dass sicher keine Keime aus deinem Mund an ihr Geschlecht kommen, und schauen, ob das geht. In diesem Fall wäre dann doch die «Keimhypothese» eine Möglichkeit.
Aber sonst würde ich vor allem den Fokus auf die Stärkung und Stabilität der Schleimhäute im Urogenitalbereich legen. Ich empfehle deiner Freundin, sich von der Frauenärztin eine Oestrogen-Creme oder Oestrogenzäpfchen verschreiben zu lassen und diese für mindestens 3 Monate regelmässig anzuwenden. Auch könnte es helfen, wenn sie ihre Vulva regelmässig mit einem Intim-Öl pflegt. Dies nährt die Vulvahaut und macht sie robuster und belastbarer.
Und wenn du sie gerne wieder oral verwöhnen möchtest, empfehle ich dir folgendes: Tu dies zuerst sanft und mit wenig Zungendruck, und sei auch mit zusätzlichem Fingern vorsichtig und sanft, um die Harnröhre nicht zu stark zu reizen. Und deine Freundin soll dir Feedback geben, wie es sich anfühlt und was sie sich genau wünscht. Beginnt mit kurzen Einheiten, und von da an könnt ihr dann steigern.
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