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Frage Nr. 39358 von 24.01.2025

Zu Frage NR. 39309
Vielen Dank für Eure Antwort!
Ich denke, ich kann mir vertrauen lernen, im Verhalten des anderen zu erkennen, ob dieser respektvoll ist.
Ich verstehe auch, dass Porno nicht gleich Gewalt ist. Aber ich persönlich denke, dass man nie wissen kann, ob die Darsteller noch wollen, dass das Video noch online ist, ob das Mitmachen freiwillig war und das meiste einfach frauenverachtend ist bzw. Männer lernen, dass bestimmte Praktiken Frauen nicht weh tun würden (seelisch als auch körperlich).
Ich denke, ich habe einfach Angst, keinen Mann mehr zu finden, der keine Pornos mehr schauen möchte, da es eigentlich kaum Männer gibt, die keine Pornos schauen. Und einen der Prostitution ablehnt. Das macht mich traurig, weil ich gerne eine Beziehung will, dies aber nicht akzeptieren möchte. Für mich sind Fantasien, welche auch immer, kein Problem. Ich sehe jedoch das Schauen von Pornos mit Gewaltinhalten als Handlung, da dies echte Menschen sind und damit das Ganze als Verhalten. Jedoch ist dieses Verhalten für mich nicht unbedingt präsent, weil ich es ja nicht mitbekommen müsste oder es früher war. Ich weiß, einfach nicht mehr, wie ich jemanden entspannt kennen lernen kann. Ob ich meine Meinung ändern muss, weil ich gerne einen Mann finden möchte. Ob ich akzeptieren muss, das jemand Gewalt vielleicht anschaut und trotzdem ein respektvoller Mann im persönlichen Kontakt ist.
Wie kriege ich meine Vorstellungen zu diesem Thema und meinen Wunsch nach Beziehung unter einen Hut? Sollte ich andere Sichtweisen annehmen lernen, akzeptieren, wenn jemand etwas "schlimmes" angeschaut hat?
Ich bin einfach sehr unglücklich und überfordert damit und sehe keine gute Paarzukunft für mich... oder bleibe ich lieber alleine, weil es niemanden geben wird (oder so selten und damit kaum findbar - und so jemanden habe ich verloren), der nie Gewaltvolles angeschaut hat und auch ganz auf Pornos verzichten wird.
Vielen Dank!

Unsere Antwort

Deine Nachricht zeigt mir, dass du wirklich unter diesem Thema leidest und dir viele Sorgen und Gedanken machst. Das ist sicher sehr anstrengend. Ich habe den Eindruck, du bist etwas in einem Schwarz-Weiß-Denken verfangen, was dir nicht hilft und dich ziemlich unter Druck setzt. Ich versuche mal, das ein wenig aufzulockern.

Erstens gibt es durchaus Männer, die keine Pornos schauen und noch mehr Männer, die keine gewaltvollen Pornos schauen. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, wie du denkst, so jemanden zu finden. Die Wahl ist nicht zwischen „Ich bleibe meinen Werten treu“ und „Ich finde eine Beziehung“. Es gibt viele Möglichkeiten, wie beides gleichzeitig wahr werden kann.

Eine Möglichkeit besteht darin, dass Menschen sich ändern können. Wenn du jemandem erklärst, wieso das problematisch ist und wie deine Gefühle dazu sind, dann wird dieser Mann sein Verhalten vielleicht einfach ändern. Sei es, dass er gar keine Pornos mehr schaut, keine Gewaltpornos mehr oder nur noch Pornos von ethischen, feministischen Pornoproduzent*innen – die gibt es nämlich durchaus! Vielen Männern sind Frauenrechte sehr wichtig und sie sind bereit dazuzulernen.

Du gehst in deinen Gedanken sehr weit in die Zukunft und neigst dabei ein bisschen zum Katastrophisieren. Das heißt, du malst dir immer die schlimmste Version aus, auch wenn die nicht sehr wahrscheinlich ist. Denn mal angenommen, du lernst jemanden kennen und ihr versteht euch gut und irgendwann sprecht ihr über diese Themen und der Mann sagt, dass er manchmal Pornos schaut. Dann ist das nicht das Ende der Welt. Dann könnt ihr darüber sprechen und eine Lösung finden. Oder, wenn das nicht funktioniert, dann beendet ihr die Sache eben. Du musst nicht vom allerersten Kontakt an wissen, wie ein Mann zu diesen Dingen steht. Denn du kannst immer wieder neu entscheiden, ob etwas, was die andere Person macht, für dich okay ist, ob ihr Kompromisse finden könnt, oder ob du oder die andere Person sich ändern möchte.

Natürlich darfst du deine Werte haben und auch für sie einstehen. Aber das ist nicht schwarz-weiß: Menschen sind nicht entweder respektvoll oder schauen Pornos. Das ist viel komplexer. Das hast du ja auch bei deinem Ex-Partner gesehen. Mit konkreten Menschen sind da viel mehr Nuancen, als wenn man sich dazu hypothetische Gedanken macht.

Du steckst in einer Angstspirale, weil du versuchst, das alles schon vorauszusehen. Diese Angst lähmt dich scheinbar ziemlich. Mein Rat ist daher, dass du aktiv wirst. Lern Leuten kennen, geh auf Dates, probier es aus. Du kannst dabei durchaus schon ein paar Dinge tun, um die Chancen zu erhöhen, dass du jemanden triffst, der deine Werte teilt. Wenn du Dating-Apps nutzt, kannst du beispielsweise in dein Profil schreiben, dass feministische Themen dir wichtig sind. Aber ich denke, du musst die Erfahrung machen, dass du dir vertrauen kannst, dass Menschen nicht schwarz-weiß und unveränderbar sind, und dass es für viele Dinge Lösungen gibt.

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