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Frage Nr. 39356 von 23.01.2025

Hi,
Vielen Dank für eure Antwort auf die Frage 39302!
Ich habe zur genaueren Klärung hier eure Nachfragen beantwortet:

„Das heisst, du erregst dich nicht ausschliesslich mit Frauenkleidern, sondern auch über romantische oder sexuelle Situationen in der Paarbeziehung mit deiner Freundin. Bitte korrigiere mich, falls ich das falsch einschätze.“ - ist absolut richtig, ich bekomme auch im „Vanilla“ Kontext eine Erektion und habe damit keine Probleme, wenn die Reize fehlen. Zudem finde ich es aber auch sehr erregend, wenn meine Freundin sehr feminin mit high heels, sexy Unterwäsche und bspw. Einem kurzen Rock gekleidet ist. Also eigentlich die Dinge, die ich im Fetisch Kontext an mir selber trage. Das ist an ihr aber auch kein Muss, sondern einfach ab und zu sehr schön.

„Mich würde daher interessieren, weshalb dich die sexuelle Erregung durch das Tragen von Frauenkleidern stört. Könntest du das etwas genauer beschreiben“ - ich habe alle 1-2 Monate einen regelrechten Drang danach das auszuleben & mag dann auch die Erniedrigung dabei. Das heisst ich möchte da auch in einer unterwürfigen Rolle sein und das entsprechend ausleben. Es einfach sein zu lassen funktioniert nicht. Der Druck baut sich immer weiter auf und die Befriedigung ist dann dadurch nochmal stärker als beim „normalen“ Sex. Ist das gesund?

„Um dich da konkret zu unterstützen, sollte ich aber mehr über dich wissen. Zum Beispiel wie du dich sexuell erregst, ob du beim Solosex immer Frauenkleider im Spiel sind und wenn nein, was du sonst für Erregungsquellen hast, und was du genau meinst, wenn du sagst, du hast eine erfüllte Sexualität.“ - beim Solo-Sex sind nicht immer Frauenkleider im Spiel, das ist nur der Fall, wenn ich wirklich den Drang danach habe, also alle 1-2 Monate. Dafür muss ich mir auch wirklich mehr Zeit nehmen. Ansonsten läuft der Sex mit meiner Freundin sehr gut, wir haben beide Spaß, testen verschiedene Sachen und ich werde auch davon sehr erregt.

Eine kurze Ergänzung zum letzen Mal: Ich habe mit meiner Freundin jetzt doch den Entschluss gefasst es doch auch gemeinsam auszuprobieren, damit sie sich nicht „außen vor“ fühlt und sich das Thema nicht mehr so unkontrollierbar für sie anfühlt. Sie hat sich sehr viel damit beschäftigt und gibt mir das Gefühl mich zu unterstützen und nicht dafür zu verurteilen. Liegt hier die Gefahr, dass sich das Ganze so verstärkt und noch „stärker“ wird im Sinne von, dass ich mehr den Drang danach entwickle? Wir wollen es wirklich nur in speziellen Sessions, wenn der Drang danach aktuell ist, ausleben. Also auf keinen Fall unser normales Sex Leben, in dem ich auch gerne mal in die dominantere Rolle schlüpfe, ersetzen.

Vielen Dank für euren Support!

Unsere Antwort

Danke für deine Ergänzungen. Es ist nicht ungesund, wenn du dem Drang nachgibst, und es ist auch kein Problem, dass deine Freundin und du miteinander rund um deine Vorliebe experimentiert. Aber, ja, es gibt da eine Gefahr – oder ein Risiko. Dieses Risiko hängt zusammen mit sexuellem Lernen und deinem Körper.

Wir können unseren Körper auf unterschiedliche Weise einsetzen, wenn wir uns sexuell erregen. Demütigungsfantasien entstehen typischerweise in einem Zustand andauernder relativ stark erhöhter Muskelspannung. Der Körper kommt dann in Stress, und das Nervensystem liest "Gefahr". Wir erleben die sogenannte "Kampf-Flucht-Reaktion". Die macht etwas mit unseren Gedanken und mit unserem Blick auf uns und die anderen. Diese werden eher als Feinde gesehen. Hart miteinander umgehen, Schmerz oder Demütigen erleben sind typische Fantasien, die in diesem Zustand auftauchen.

Du inszenierst das so, dass du über Tage und Wochen Spannung aufbaust. Das ist sehr intensiv und kann einen sehr erfüllenden Kick geben. Viele Fetisch-Fantasien oder auch BDSM-Szenarien bauen auf dieser Vor-Spannung auf.

Schau doch mal, in welchem Zustand dein Körper ist, wenn du den Druck/Drang verspürst. Woran könntest du merken, ob du entspannt oder angespannt bist? Wie atmest du? Wie "locker" bist du?

Und dann: Was machst du während dem Solossex mit deinem Körper? Bewegst du ihn? Hältst du ihn still? Wie atmest du? Lies doch bitte mal diesen Text über Erregungstechniken und überlege dir, was deine Technik ist resp. was deine Techniken sind.

Viele Menschen erregen sich mit viel Muskelspannung und wenig Bewegung des Körpers. Das kann hohe sexuelle und emotionale Intensität ermöglichen. In dieser Technik schlummert ein Risiko, denn bei hoher Muskelspannung ist die Durchblutung im Geschlecht reduziert. Das macht die Körperwahrnehmung schwieriger und kann auf die Dauer zu Erektionsschwierigkeiten führen.

In deinem Alter merkst du das nicht, aber was ist in 10, 20, 30, 40 Jahren, wenn der Testosteronspiegel natürlicherweise sinkt und die Blutgefässe langsam etwas weniger durchlässig sind? Wenn ein Mann dann merkt, dass er seine sexuelle Erregung nicht mehr so zuverlässig bis zum Orgasmus steigern kann, probiert er typischerweise, mehr vom Bewährten einzusetzen: mehr Muskelspannung, intensivere Bilder und Szenarien. Mehr Muskelspanung führt aber tendenziell zu mehr Problemen. In diesem Zustand kann es dann sein, dass der Mann abhängig wird von (extremeren) Vorlieben und Fantasien, die früher eine von mehreren Optionen waren.

Es ist nicht gesagt, dass es unwiderruflich dazu kommt. Aber wir sehen in der Sexualtherapie relativ häufig diese Entwicklung bei Männern. Das Problem lässt sich dann durch neue Lernschritte angehen und (mit regelmässigem Üben) beheben. Besser aber ist das, was ich in der letzten Antwort "Vorsorge" genannt habe. Das heisst: Du lernst jetzt schon, dich auch auf eine lockere Weise sexuell zu erregen, wo die Durchblutung deines Geschlechts gefördert wird. Anders gesagt: Du lernst, Intensität über ein bewegtes Spiel aus Anspannung und Entspannung zu erzeugen.

Wenn du das übst, hast du auch noch in vielen Jahren bei jeder sexuellen Aktivität die Wahl, ob du es lockerer oder härter angehen willst – anders gesagt, ob du bewegten "Vanilla"-Sex willst, oder ob du ein kinky Rollenspiel mit mehr Körperspannung möchtest.

Ich habe dir in der letzten Antwort schon einen Buchtipp angegeben. Ich empfehle dir auch, unsere Texte über Muskelspannung und über Bewegung zu lesen. Zum Üben kann ich dir auch diese Tipps und diese Tipps empfehlen.

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