Stell deine Frage...

Fragen & Antworten:
Neuste Antworten

Frage Nr. 39528 von 13.03.2025

Hallo Lilli,
Ich bin 19, weiblich.
Hilft Meditation wirklich zu dir selbst zu finden? Die Person zu sein die du bist? Mehr im Moment zu leben, im Sinne von, nicht mit den Gedanken bei sich zu sein („wie wirke ich gerade, was sage ich gleich“) und stattdessen in der Situation um sich herum zu sein?
Ich habe Probleme damit. Ich kann nicht ich selbst sein, ich weiß nicht wie das geht. Ich weiß nicht mal wer ich sein soll.
Ich weiß bereits, dass es keine gute Idee ist zu versuchen wer anderes zu sein. Ich habe das jahrelang versucht, ich habe mich an Skripte und Regeln in meinem Kopf gehalten und hab mich so verloren und das in einer Zeit, in der man sich eigentlich kennenlernen sollte, statt sich von sich zu entfernen und andere zu sein versuchen. Habe ich damit etwas kaputt gemacht? Kann ich irgendwann ein authentischer, ehrlicher und respektabler Mensch sein? Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass meine unfreiwillig unsichere Art, die ich ums verrecken nicht abstellen kann, immer dazu führt, dass jeder sich über mich lustig macht, jeder der mich privat kennt, alle meine Freunde. Ich bin auch noch sehr verpeilt, was die Sache schlimmer macht und immer Angriffsfläche bietet, ich kann damit nicht umgehen. Ich wirke oft sozial leicht inkompetent und kann mich nicht gut wehren, wenn ich mich schlecht behandelt fühle.
Was kann ich tun um zu mir selbst zu finden und dort zu bleiben. Ich will endlich eine gefestigte Persönlichkeit haben, mit der ich mich wohl fühle. Ich will einfach, dass Menschen meine Meinung ernst nehmen und mich als ehrlichen, authentischen, selbstsicheren Menschen beschreiben würden.
Danke, dass ihr euch das durchlest:)

Unsere Antwort

Wir sind nicht der Meinung, dass Meditation ein sicherer Weg zur Selbstfindung ist.

Wir finden auch nicht, dass du der authentische, ehrliche und respektable Mensch in dir ein Zukunftsprojekt ist. Schau mal, ob du die Person, die du jetzt bist, soweit respektieren kannst, dass du dich mit ihr zusammen auf einen Entwicklungsweg begibst. Du wirst dich nämlich dein ganzes Leben lang weiter entwickeln und immer wieder eine Andere sein. Du wünschst dir persönliche Festigkeit und Wohlgefühl. Hast du eine Vorstellung, was eine gefestigte Persönlichkeit fühlt, denkt, wünscht und wie sie reagiert? Wenn du dir eine solche Person ausmalst, such nach mindestens drei Eigenschaften und/oder Fähigkeiten. Bleib dir gegenüber respektvoll und gestehe dir heute schon einige (mindestens drei) der Eigenschaften einer gefestigten Persönlichkeit zu. Was du noch nicht kannst, wirst du dazu lernen. Das sind deine Lernfelder. Dafür braucht es ‚Lehrpläne‘, die du selbst machen kannst. Du kannst aber auch Freund*innen, Lehrer*innen, Eltern, Verwandte und/oder Professionelle Berater*innen hinzuziehen. Wichtig ist, dass du akzeptierst, dass du dich entwickeln willst und verstehst, dass dazu das Lernen gehört.

Dann mach dich auf die Suche nach Wohlgefühl. Nur du weisst, wann und wie du dich wohl fühlst Niemand anderes darf darüber bestimmen. Es sollte also nicht so schwierig sein, Sachen zu finden, die dir Wohlgefühl bereiten. Möglicherweise stehen dir noch alte Skripte und Regeln im Weg, so dass du dir nicht erlauben kannst, deine Wohlfühl-Sachen zu machen. Erlaubnis geben wäre dann hier dein Lernfeld.

Auch deinen Wunsch, dass andere dich ernst nehmen, kannst du dir erfüllen. Das gelingt am besten, wenn du dich ganz ernsthaft darum kümmerst, dich selbst ernst zu nehmen. Dazu gehört auch, mit der ‚Verpeilten’ und den Angriffsflächen zu verhandeln . Wie kannst du diesen deinen besonderen Seiten zu Wohlgefühl verhelfen? Wenn du mit dir klar kommst, tut das Auslachen nicht mehr so weh. Du nimmst dich ernst und hast darum genug Mut für dich einzutreten. Du wirst dann merken, dass Andere das Auslachen auch nicht mehr so lustig finden.

Wenn du dir die Respekt-Arbeit mit dir selbst nicht vorstellen kannst, raten wir dir zu einer Psychotherapie, in der du deine eigene Entwicklung in den Mittelpunkt stellst.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39526 von 13.03.2025

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hohlkreuz und Vaginismus? Oder ist es einfach Zufall, wenn man beides hat. Wenn ich gerade auf dem Rücken liege, habe ich den Eindruck dass meine Vagina den "falschen" Winkel hat (wie ein Knick), der sich aber verbessert, wenn ich meinen Po anspanne, und dann ist Penetration auch eher möglich. Da ist mir aufgefallen, dass das das gleiche ist, was ich machen muss, um gerade zu stehen (also um aus dem Hohlkreuz raus zum geraden Rücken zu gelangen). Auch da muss ich den Po anspannen. Kann das was miteinander zu tun haben?

Unsere Antwort

Du hast bereits interessante Beobachtungen gemacht und ich möchte dich darin bestärken, weiterhin neugierig zu beobachten, was für dich gut funktioniert. Du hast intuitiv eine Lösung gefunden, wie der Penis einfacher hineingeht. Damit kannst du spielen. Lege dich auf den Rücken und kippe dein Becken. Spüre dabei, was das mit deiner Vagina macht. Du kannst dir dazu auch dieses Video anschauen:

Wenn du die Pomuskeln anspannst, zieht es außerdem den Penis eher rein mit den Beckenbodenmuskeln. Das ist eine gute Idee für den Sex. Du musst also nicht passiv hinhalten, sondern deine Vagina ist aktiv.

Achte auch beim Sex auf das Kippen deines Beckens. Beweg dein Becken so, dass du den Penis besser aufnehmen kannst.

Nun noch ein paar Hintergrundinfos:

Ja, die Vagina hat einen Knick. Schau dir das bitte auf dieser Grafik an:

Das Bild zeigt einen Längsschnitt durch Geschlechtsorgane  im Ruhezustand. Die Vaginawände liegen nah beieinander.

Viele Darstellungen der Vagina sind anatomisch eigentlich falsch. Der Knick fehlt auf den Abbildungen. Deshalb geht es auch vielen Frauen so wie dir, dass sie sich wundern und glauben, es sei etwas falsch mit ihnen. Dabei ist es ganz normal.

Am besten, du vollziehst das mal mit deinen eigenen Fingern nach. Also führe einen oder mehrere Finger in deine Vagina ein und spüre welchen Winkel die Vagina eigentlich hat.

Nun zum Hohlkreuz: Wenn du ein Hohlkreuz hast, ist dein Becken gekippt. Das kann den Winkel der Vagina ungünstig verstärken. Schließlich liegt die Vagina im Becken. Wenn du den Po anspannst, kippst du das Becken automatisch ein bisschen nach vorne und der Winkel wird besser, damit der Penis hineingehen kann. Spür das gern mal in deinem eigenen Körper nach. Schau dir zunächst das Bild unten an und lege dann die Hände an beiden Seiten auf deine Beckenknochen und kippe das Becken mal nach vorne und mal nach hinten. Wie bewegt sich dabei die Vagina mit? Falls du gelenkig genug bist, könntest du dein Becken kippen während du einen Finger in der Vagina hast. So wirst du vertrauter damit, wie du Einfluss nehmen kannst auf den Winkel.

Du siehst eine Illustration von Geschlechtsorganen. Beschriftet sind die Eierstöcke und Eileiter, die Gebärmutter, die Blase, das Becken, die Klitoris, die Vagina und der Darm.

Und nun zum Vaginismus. Ein Vaginismus verbessert sich nicht durch Po anspannen. Deshalb meine Frage: Was meinst du mit Vaginismus? Vaginismus bedeutet, dass die Muskeln stark angespannt sind. Ich vermute, dass das bei dir nicht der Fall ist. Du schreibst von einem Winkel und von einem Knick. Meinst du einfach, dass der Penis nicht gut reingeht? Das könnte hauptsächlich am gekippten Becken liegen.

Falls etwas unklar geblieben ist, schreib uns einfach wieder. Gib dann bitte die Nummer dieser Frage an.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39523 von 12.03.2025

Nachfrage zu 39505.
Danke schonmal für die Antwort. Nein länger als 30 Minuten trag ich ihn sowieso nicht. Aber es ist halt irgendwie schön zu wissen, dass es eine Möglichkeit gibt die Erektion aufrecht zu erhalten, ohne Medikamente nehmen zu müssen. Da ist doch der penisring die gesündere Alternative, oder?
Kann ich mir oder meiner Potenz in irgendeiner Weise schaden, wenn ich den Ring regelmäßig nicht länger als 20 Minuten trage? Ich habe halt etwas Angst, dass ich meiner Gesundheit damit auf Dauer schaden würde, auch wenn ich ihn nur ca 15 oder 20 Minuten nutze

Unsere Antwort

Wie wir schon geschrieben haben, halten wir es für sinnvoller, wenn du lernst deine Erregung zu steuern, indem du die Bewegung und die Wahrnehmung in deinem Körper besser kennenlernst und für dich einsetzen kannst.

Hilfsmittel, die einfach nur die "Funktionalität" erhalten, statt den Genuss zu fördern, lassen die Sexualität mit der Zeit meist langweilig werden.

Der Penisring hält nur den oberen Anteil des Penis steif, wenn die Erektion nachlässt, bleibt zwar der obere Anteil (von der Eichel bis zum Ring) steif, der Anteil des Penis, der darunter liegt wird allerdings schlaff. Das heisst, dass der Penis nicht mehr gut "steuerbar" ist und man vorsichtig sein muss, weil das Verletzungsrisiko bei Vaginalverkehr steigen kann.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39522 von 12.03.2025

Hallo Lilli-Team,

Ich möchte eure Ausdrucksweise "mit dem Penis in etwas eindringen", welches in einigen Texten (zB Mein Penis in der Vagina) so genannt wird, in einem kritischen Winkel betrachten.
In etwas eindringen (synonym einnehmen, in Besitz nehmen...) finde ich negativ konnotiert. Diebe dringen in Wohnungen ein. Jemand wird bedrängt. Ich frage mich, ob das der richtige Ausdruck sein sollte.
Den Ausdruck Penetration finde ich weniger schlimm, aber immer noch nicht gut. Jemand ist zB penetrant.
Was wären denn gute Alternativen, frage ich mich?
- Einführen?
- hineingleiten
- ... ?
Ihr schreibt zB so schön: Mit der Vagina etwas aufnehmen - ein Gast.

Viele Grüße

Unsere Antwort

Vielen Dank für diesen Hinweis. Wir werden unsere Texte anpassen und überall dort, wo wir bisher den Begriff «eindringen» verwendet haben, stattdessen «mit dem Penis hineingehen» schreiben. Denn «eindringen» ist tatsächlich aus den von dir genannten Gründen nicht der beste Begriff.

Wir bevorzugen den Ausdruck «mit dem Penis hineingehen», weil er die Tatsache unterstreicht, dass der Penis aktiv ist. Der Ausdruck «den Penis einführen» nimmt dem Penis sein Eigenleben und macht ihn zum Objekt. Und der Begriff «hineingleiten» klingt recht zaghaft. Dabei kann Geschlechtsverkehr ja mit Intensität einhergehen. Die Frau nimmt aktiv auf und der Mann geht aktiv rein. Die Begegnung zwischen Penis und Vagina kann mit Herz passieren. Und es braucht die Intensität, zumindest wenn man beim Vaginalverkehr auch zum Orgasmus kommen möchte.

Der männliche Part in der Sexualität wird oft als einnehmend, aggressiv und manchmal sogar als übergriffig wahrgenommen. Und auch Männer machen sich Gedanken darüber, ob die eigene sexuelle Handlung zu aggressiv oder übergriffig ist. Vor allem dann, wenn ein Mann einfach mal die Frau nehmen will, oder die Frau einfach genommen werden möchte. Ob die Aktivität des Mannes in der Sexualität dann positiv oder negativ bewertet wird, ist meist ein schmaler Grat und liegt oft im Auge des Betrachters.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39521 von 11.03.2025

Ich habe leider vor gut einem Jahr eine belastende Erfahrung gemacht. Ich hatte damals eine Depression und das Gefühl, dass alte Belastungen reaktiviert wurden. Ich war damals weit weg von zuhause und meinem gewohnten Umfeld. Ich habe davor bereits vier Monate alleine gelebt und keine Probleme gehabt. Mit der neuen Stelle habe ich dann diese Probleme entwickelt. Es fing damit an, dass ich das Gefühl hatte, ich könne nicht mehr aufstehen.
Ich bin dann zum Arzt, welcher mich krank schrieb. Nach einer Woche ging es mir immer noch nicht besser. Meine Eltern sagten jedoch, ich müsste diese Stelle durchziehen, da ich sonst immer alles abrechen werde. Ich nahm mit der Psychiatrie Kontakt auf. Diese meinte, ich müsste stationär behandelt werden. Ich kam in einen innneren Konflikt. Sie bat mir nach langem hin und her einen Termin am nächsten Tag an. Die Psychotherapeutin diagnostizeirte eine Belastungsreaktion. Sie empfahl mir das Praktikum abzubrechen. Ich kam erneut in einen Konflikt. Ich schaffte es irgendwie dieses Stelle durchzustehen.
Meine Eltern betonen immer wieder, wie sie mich unterstützt haben und wie wichtig es ist, dass ich diese Stelle behalten habe. Es ist glaube ich eine der schlimmsten Erlebnisse die ich je hatte, da mir meine Eltern noch sagten ich übertreibe.
Wie kann ich lernen, mich von dieser Erfahrung zu lösen und mir mein eigenes Leben aufzubauen?

Unsere Antwort

Du hast schon den richtigen Plan. Es geht darum, dass du dich auf eigene Beine stellst und deine Entscheidungen selbständig triffst. Du hast schon rausgefunden, dass du noch dazulernen musst, damit dir das gelingt. Du beschreibst eindrücklich, wie bei dir Konflikte entstehen. Du hast eine neue Stelle. Dein Körper steht als Reaktion darauf nicht mehr auf. Das ist ein starkes Zeichen, dass dieser Ort oder die Situation für dich nicht taugt. Du liest das Zeichen richtig und suchst nach Unterstützung bei der Medizin. Auch der Arzt erkennt, dass du nicht leistungsfähig bist und schreibt dich krank. Die Psychiatrie bietet dir zudem zur Entlastung einen Klinikplatz an. Eine Psychologin spricht es aus: „Brich das Praktikum ab. Du leidest an einer Belastungsreaktion.“ Du hast also eine innere Stimme und Reaktionen im Körper, die dich deutlich führen. Jetzt wäre es an der Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken, wie du leben willst und was du leisten kannst. Dafür würdest du deine ganze Vorstellungskraft und Arbeitsfähigkeit brauchen.

Da gibt es aber noch andere Kräfte und Motive in dir, die durch die Meinung deiner Eltern verstärkt werden. Deine Eltern scheinen der Meinung zu sein, dass du «immer» «alles» abbrichst und dass du ohne ihre Unterstützung versagen würdest. Sie wünschen wohl auch, dass du dafür dankbarer bist. Du nimmst den Elternauftrag an, sammelst alle deine Kräfte. Du zwingst dich zum Durchhalten. Es wird dir egal wie es dir geht. Und erst, wenn deine Kräfte aufgebraucht sind, merkst du, dass du «schlimmste Erlebnisse» durchgestanden hast.

Der Konflikt zwischen Elternplänen und deiner Selbstwahrnehmung hat dich erschöpft. Für eigene Entscheidungen müsstest du also lernen, eigene Pläne zu formulieren und auf deine Eltern als Ratgeber zu verzichten. Du brauchst also mehr Eigenständigkeit. Das heisst aber nicht, dass du alles allein machen musst. Sinnvoll wäre, du würdest Beratung in Anspruch nehmen. Für Ausbildung und Beruf gibt es Berufsberatung. Es geht auch nicht darum, dass du dein ganzes Leben änderst. Es kann sogar sein, dass deine Pläne, denen deiner Eltern ähneln. Aber so lange du gegen deine eigene Wahrnehmung arbeitest, setzt du deine Kraft nicht genug für deine Entwicklung ein. Für deine psychischen Belastungen wäre sicher eine Psychotherapie günstig. Auch dort ist ein guter Platz, um Selbstverantwortung zu lernen.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39520 von 11.03.2025

Hallo Lilli,

Habe ich das richtig verstanden, dass die geübte, bewegte und lustvolle Methode der Selbstbefriedigung zu mehr und spontanerem Bock auf Sex führt und Stress abbaut? denn so wie ich das verstanden habe, gibt es zwei Lusttypen: die die mit Sex oder Befriedigung Stress abbauen und die die erst Stress abbauen müssen, um überhaupt Lust bekommen zu können. Kann man das so ungefähr einteilen?

Ich z.b. habe gar keinen Bock auf Sex oder SB wenn ich gestresst bin und kann nur die SB-Methode mit viel Druck und Anspannung. Generell bekomme ich eigentlich im Alltag nie Bock auf Sex, außer ich werde sexuell gestreichelt und es geht so langsam los.. Ich glaube das hängt alles nur von meiner SB-Methode ab und würde mir wünschen die bewegte, lustvolle Art zu lernen, weil ich mir erhoffe, dass Sex und SB mein Mittel für Stress wird und ich generell öfters Bock bekomme

LG und macht weiter mit der tollen Arbeit;)

Unsere Antwort

Kurz vorweg: Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen der Lust auf Sex und der Lust am Sex.

Die Lust am Sex fördert die Lust auf Sex.

Das bedeutet, wenn du eine lustvolle Sexualität erlebst, dann bekommst du auch in der Zukunft mehr Lust auf Sex.

Die Lust auf Sex ist sehr fluide. Es ist nicht so, dass eine Person ein Lusttyp ist und das ein Leben lang so bleibt. Stattdessen kann ein und diesselbe Person zu verschiedenen Zeiten verschiedene Lusttypen sein. Und der Lusttyp kann sich im Laufe des Lebens ändern. Es kann zum Beispiel Zeiten geben, in denen du Stress mit Selbstbefriedigung oder Geschlechtsverkehr abbaust, und dann gibt es andere Zeiten, in denen du nur dann an Sex interessiert bist, wenn du nicht gestresst bist. Und es kann auch von der sexuellen Handlung abhängen. Es kann sein, dass eine Frau erst Stress abbauen muss, um Lust auf Sex mit einem Mann zu bekommen. Und vielleicht hat sie trotz Stress Lust auf Sex mit einer Frau, weil sie beim Sex mit einer Frau ganz andere sexuelle Handlungen machen würde. Jede Person kann das in sich ganz unterschiedlich erleben. 

Mit der Erregungstechnik hängt die Lust auf Sex nicht unbedingt zusammen. Es gibt viele Frauen, die eine Erregungstechnik mit Druck und Anspannung nutzen, um Stress abzubauen. Diese Erregungstechnik kann sogar sehr effektiv sein, um Stress abzubauen. Für dich stellt sich also eher die Frage, worauf du Lust hast. Möchtest du sinnliche Momente mit dir selbst erleben? Oder möchtest du deine derzeitige Technik häufiger einsetzen für den Stressabbau?

Um dein Lusterleben beim Sex zu steigern, kann es helfen, wenn du lernst, Partnersex und Selbstbefriedigung sinnlicher zu erleben. Und dafür ist Bewegung eine gute Idee. Dazu interessieren dich vielleicht die Texte Warum ist es gut, wenn Frauen sich beim Sex bewegen? und Gute Gefühle beim Sex durch Bewegung des Oberkörpers.

Und noch eine spannende Sache: Du kannst auch einfach so öfter Selbstbefriedigung machen. Warte nicht darauf, dass du Lust darauf hast. Du könntest es dir zum Beispiel 2 mal pro Woche in den Kalender schreiben (und dann auch machen wink). Denn auch die Häufigkeit mit der du die Durchblutung in deinem Geschlecht anregst, fördert die Lust auf Sex.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39518 von 11.03.2025

Hallo, ich hoffe Sie können mir helfen um meine Unsicherheit loszuwerden. Ich bin weiblich und 39 Jahre. Ich habe ständig Angst, dass ich durch fremde Toiletten schwanger werden könnte. Ich habe Angst mit der Innenseite des Slips die Klobrille zu berühren und dann fremdes Sperma an meine Vagina zu bekommen. Ich bin gestern auf der Arbeit mit meinen Haaren an die Toilette/Klobrille gekommen und mache mir jetzt Gedanken, dass an der Toilette oder Klobrille Sperma hing. Als ich dann zuhause war bin ich mit meinen Haaren an Tampons und Slipeinlagen gekommen. Kann ich durch die Benutzung der Tampons oder Slipeinlagen schwanger werden falls ich fremdes Sperma an meinen Haare hatte?

Ich plane mit meinem Freund ein Kind und ich habe Angst, dass wenn ich schwanger bin, dass ich nicht von meinem Freund schwanger bin, sondern wegen dem Tampon an dem fremdes Sperma war, welches ich mir eingeführt habe oder weil ich fremdes Sperma an meinem Slip hatte. Ich hoffe, Sie können mir meine Frage beantworten, damit ich mich auf die Schwangerschaft einlassen kann ohne Angst. Vielen Dank

Unsere Antwort

Zuerst einmal möchte ich dich beruhigen. Du kannst auf keine der von dir beschriebenen Arten schwanger werden. Spermien sind äusserst empfindliche Keimzellen, die in ihrer Spermienflüssigkeit nur ganz kurz überleben können. Im Text Wie lang überleben Spermien ausserhalb des Körpers? kannst du das genauer nachlesen. Du kannst nur dann schwanger werden, wenn Spermien mit genügend Spermienflüssigket direkt in deine Vagina gelangen. Das ist beim vaginalen Geschlechtsverkehr möglich, oder auch bei einem Samenerguss direkt an deinem Vaginaeingang. Lies dazu bitte auch diesen Text.

Wenn du trotzdem weiterhin Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft hast, kannst du lernen, dich selbst zu beruhigen. Dazu empfehle ich dir unsere Texte Bauchatmen belebt und beruhigt und Wie beruhige ich mich selbst?. Es gibt viele weitere Tipps und Wege, Angst zu überwinden. Schau dich doch auch mal auf Websites um mit Tipps zur Angstbewältigung, zum Beispiel bei der Deutschen Angst-Hilfe. Ausserdem findest du in diesem Text weitere Tipps, wie du deine Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft überwinden kannst.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39517 von 11.03.2025

Ich nehme die Pille Maxim schon viele Jahre. Ich habe sie heute wieder nach der 7-tägigen pillenpause genommen und bemerkt, dass aus meinen Brüsten eine weiß, milchige Flüssigkeit austrat, die sogar durch das Tshirt gegangen ist. Das hat mich sehr verunsichert. An was kann das liegen? Die Flüssigkeit kam aus beiden Brüsten.

Unsere Antwort

Eine milchige Sekretion aus beiden Brüsten kann verschiedene Ursachen haben.

Ich würde dir auf jeden Fall eine Untersuchung bei der Frauenärztin empfehlen. Sie wird wahrscheinlich eine Ultraschalluntersuchung der Brüste und eine Blutuntersuchung vorschlagen, um das Prolaktin-Hormon und das Schilddrüsenhormon zu messen. Auch wird sie dich fragen, ob du in letzter Zeit bestimmte Medikamente einnehmen musstest wie Antidepressiva, Antipsychotika oder Opiat-Medikamente. In der Regel stehen gutartige Ursachen hinter einer Sekretion aus den Brüsten. Und ich würde es abklären gehen.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39516 von 11.03.2025

was ist die heufigste geschlächz kranung

Unsere Antwort

Zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gehören in Mitteleuropa Herpes (HSV), HPV (dazu gehören Genitalwarzen), Chlamydien, Gonorrhoe (Tripper), Trichomonaden, Syphilis, Hepatitis BHIV/Aids und Krätze (Scabies).

Dieser Text informiert dich über all die unterschiedlichen Infektionen, ihre Übertragung, ihre Symptome und die Behandlung.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39515 von 11.03.2025

Meine Tochter ist 12 Jahre alt und hat ihre Periode.
Sie leidet unter Übelkeit und ich würde gerne wissen was man dagegen tun kann weil sie sich so schlecht fühlt während ihrer Tage. Sie hat dann manchmal auch Verdauungsprobleme. Sie tut mir so leid damit. Gibt es neben der Pille andere Mittel gegen diese Übelkeit?

Unsere Antwort

Hormonell bedingte Übelkeit ist leider oft nicht ganz einfach zu behandeln.

Ihr könntet es mit Vitamin B6 probieren. Auch eine Behandlung mit Mönchspfeffer wäre einen Versuch wert.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39511 von 10.03.2025

Was ist eine verhütung? Ich bin 11 Jahre alt

Was ist safer sex? ich bin 11 jahre alt

Wie tötet man ein Baby im bauch der mutter

Unsere Antwort

Verhütung bedeutet, dass man beim Sex etwas benutzt oder macht, damit keine Schwangerschaft entsteht. Es gibt verschiedene Arten von Verhütung, zum Beispiel Kondome oder die Pille. Man kann auch verhüten, um sich beim Sex nicht mit den sogenannten sexuell übertragbaren Infektionen (STI) anzustecken, oder um diese nicht weiterzugeben. Das nennt man dann Safer Sex. Das geht zum Beispiel mit Kondomen, weil sie verhindern, dass Bakterien oder Viren von einem Körper auf den anderen übertragen werden. 

Mit deiner letzten Frage meinst du wahrscheinlich einen Schwangerschaftsabbruch. Bei einem Schwangerschaftsabbruch wird eine Schwangerschaft vorzeitig beendet, so dass kein Baby geboren wird. Wenn du ungewollt schwanger bist, solltest du dir Hilfe bei einer Beratungsstelle suchen. Das geht zum Beispiel bei einer Beratungsstelle zur sexuellen Gesundheit. Dort kannst du alle deine Fragen stellen und Unterstützung bekommen.

Diese Antwort gilt auf für die Fragen 39512 und 39513.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39510 von 10.03.2025

Hallo ihr. Ist das normal, dass über Lesben so eine fluide Darstellung verbreitet wird, während es bei heterosexuellen Frauen nicht der Fall ist?

Und ist es normal, dass Frauen die von sich glauben lesbisch zu sein, immer wieder mit Männern schlafen, eine höhere Fluidität haben als hetero Frauen, die weder was mit dem eigenen Geschlecht haben noch etwas mit trans Männern oder genderfluiden amab / afab Menschen?

Warum halten es viele für normal wenn eine „lesbische Frau“ mit alles zusammen ist, aber nie sieht jemand eine heterosexuelle Frau, die sagt, dass sie hetero ist und mit einer trans Person oder dem gleichen Geschlecht zusammen ist. Oder fragen stellt, ob sie denn weiterhin hetero ist wenn sie regelmäßig mit Frauen intim wird.

Ständig dieses Lesbenthema ob eine Frau denn weiterhin lesbisch sein darf wenn sie regelmäßig mit Männern schläft. Ich sehe nur im lesbischen Spektrum solche Dinge. Das verwirrt mich und ich möchte mich davon distanzieren, aber die Gesellschaft setzt mir jedes Mal ein Zwangslabel an die Stirn „Lesbisch“.

Ich sehe andauernd sehr viele Behauptungen was lesbisch-sein angeht. So viele Frauen machen für mich dieses Label kaputt. An sich ist das ok, mich stört nur, dass die Gesellschaft und auch viele queere Menschen mich als lesbsisch Zwangslabeln.

Es gefällt mir nicht dass es Labels gibt, sich aber niemand an die Definition halten will und das fällt mir ganz besonders bei Frauen in Verbindung mit dem Label lesbisch auf. Auch scheint es ein tolles Wort zu sein, um Hass und Häme zu verbreiten.

Unsere Antwort

Mir fällt schwer, eine konkrete Frage aus deinem Anliegen herauszulesen. Ich vermute, dass es dir um Selbstbestimmung geht. Wehre dich dagegen, dir ein Label zu deiner eigenen sexuellen Orientierung aufzwingen zu lassen. Nur du selbst wählst die Selbstbezeichnung, die für dich zutreffend ist.

Wenn du kein Label passend findest, dann bist du vielleicht noch auf der Suche oder du findest es für dich passend, dich in keine Kategorie einzuordnen. Eine felsenfeste Definition gibt es für die jeweiligen Labels nicht. Daher ist das Nutzen der Bezeichnung „lesbisch“ eine Selbstauskunft und kein Begriff, der von außen gelesen für die jeweilige Person bestimmt werden kann.

Der Begriff „Fluidität“ bezieht sich auf die sexuellen und emotionalen Erfahrungen und Anziehungsgefühle, die ein Mensch während des gesamten Lebens macht und verspürt. Der Begriff kann deshalb auf alle Menschen zutreffen, egal welcher sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.

Mein Eindruck ist, dass deine Wahrnehmungen und Annahmen zu dem Thema dich aufregen und unzufrieden machen. Erzeugt das irgendwo in deinem Körper Anspannungen? Umgekehrt verändert sich mit körperlicher Anspannung nämlich auch unsere Wahrnehmung. Die Brille, mit der wir unter Anspannung in die Welt blicken, ist eher negativ getönt.

Daher kann es hilfreich sein, Spannungen bewusst wahrzunehmen und zu reduzieren, z.B. über Bewegung. Dann prüfe die eigene Perspektive und nimm eine Neubewertung vor.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39509 von 10.03.2025

Ich war 1,5 Jahre in einer "Situationship" mit einem Mann, der sich nie binden wollte, mir aber gleichzeitig verboten hat, andere Männer zu treffen. Schliesslich hat er mich betrogen und verlassen. Nach der Trennung bin ich in eine Depression gefallen. Durch meine Psychologin habe ich gelernt, dass ich aufgrund der emotionalen und psychischen Misshandlungen durch ihn ein Trauma entwickelt habe. Diese Misshandlungen erfüllten den Tatbestand häuslicher Gewalt.
Ich wurde von ihm isoliert, da ich meiner Familie nie von unserer Situation erzählen konnte, weil dies laut ihm Konsequenzen für ihn geben würde. Je mehr ich mich mit meinen Erlebnissen auseinandergesetzt habe, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich auch sexuell misshandelt wurde:
Er hat gegen meinen Willen seinen Penis an meiner Scheide gerieben nachdem ich mich in einem Massagesalon geweigert habe einen BJ zu geben.
Er hat versucht, mich zu einem Blowjob zu zwingen und mich beleidigt als ich dies nach einem Streit nicht wollte.
Er hat mich gefingert, während ich geweint habe während eines Streites und mich beleidigt als ich keinen Gv mehr haben wollte.
Er hat mehrfach vor dem Geschlechtsverkehrs auf das Kondom verzichten wollen ohne meine Zustimmung und mich anschliessend eingeschüchtert als ich nicht einverstanden war, indem er es nach mir geworfen hat, während er über mir stand.
Er hat mich manipuliert und mit Liebesentzug gedroht, damit ich Analverkehr mit ihm habe. Dabei hat er ohne mein Wissen das Kondom weggelassen.
Darüber hinaus hat er mich durch Gaslighting, Kontrolle, Liebesentzug, Eifersucht und Manipulation massiv unter Druck gesetzt. Er hatte regelmässige aggressive Wutausbrüche, die mich eingeschüchtert haben, und hat mir mehrmals seine Waffensammlung präsentiert.
Nach der Trennung habe ich ihn zwei Monate lang verzweifelt kontaktiert, viele Nachrichten geschrieben und ihn angefleht, mit mir zu reden. Er hat mich jedoch blockiert und ignoriert. Ich habe auch mit mehreren Instagram-Accounts seinen Account angeschaut.
Meine Fragen:
Habe ich Chancen, ihn wegen psychischer und sexueller Misshandlung sowie meiner daraus resultierenden Depression anzuzeigen?
Könnte er mich in irgendeiner Weise anzeigen oder rechtliche Schritte gegen mich einleiten?
Ich habe Angst, dass er mich als "die verrückte Ex" darstellt, die nicht loslassen kann – wie kann ich mich dagegen schützen?
weiblich, 28

Unsere Antwort

Zu deiner ersten Frage: Du kannst eine Strafanzeige machen. Du beschreibst Situationen, die als Straftaten gewertet werden können. Vor Aufnahme eines Strafverfahren wird aber jeweils geprüft, ob für jeden einzelnen Tatvorwurf genügend Beweise vorliegen und ggf. Zeug*innen aufgeboten werden können. Eine Verurteilung des Angeschuldigten muss durch diese Beweise gerechtfertigt sein. Darum raten wir dir dringend, dich an eine spezialisierte Opferhilfeberatung oder an eine Rechtsberatung zu wenden. Mit den professionellen Berater*innen kannst du deine spezielle Situation und die Verurteilungs-Aussichten in einem Strafverfahren überprüfen.

Zu deiner zweiten Frage: Wenn dein Ex der Meinung ist, dass deine Vorwürfe ungerechtfertigt sind, kann er dich wegen Verleumdung anzeigen. Du musst ihn dann allerdings öffentlich, z.B. durch eine Strafanzeige, beschuldigen Auch da kann dich die Opferhilfeberatung bezogen auf deine persönliche Situation genauer beraten als wir.

Zu deiner dritten Frage: Und du vermutest richtig. Wenn du für dich eintrittst, kann es sein, dass er dich diffamiert. Wenn du dich häufiger bei ihm meldest, kann er sich belästigt fühlen. Dagegen kannst du dich nicht vorbeugend schützen. Du kannst aber jede Beleidigung, Drohung oder Verleumdung bei der Polizei melden. Das führt meist dazu, dass die Beleidiger, Bedroher und Verleumder sich zurückziehen.

Wir wissen, das Strafverfahren lange dauern und sehr aufwändig sind. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass alle Gewalttaten angezeigt und verurteilt werden sollten. Gleichzeitig solltest du dir aber auch überlegen, wieviel Kraft du in diese Beziehung investieren willst.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39508 von 10.03.2025

Hallo liebes Beratungsteam! Ich bin 33 Jahre jung und habe 2 Kinder vaginal geboren. Seitdem hab ich massive Probleme mit meinem Körperbild. Ich bin eigentlich immer sportlich und fit gewesen und sehe mich nun mit einer cystocele und rektocele grad 1 konfrontiert. Meine Gebärmutter sitzt auch tiefer, was aber angeblich keine Senkung sein soll. Das passt alles überhaupt nicht zu meinem Körperbild.

Jedes Mal wenn ich mich nackt sehe oder einen Finger in die Vagina einführe bin ich schockiert wie sich alles anfühlt. Hab schon regelrecht Angst davor was mich da erwartet. Wie weit sie wieder sein wird und wie nah ich wieder sofort an meinem Muttermund sein könnte. Nun ist es leider so, dass ich schon an Therapien alles durch habe. Vaginallaser, Pessar, BB-Physio, BB-Zentrum.

Mich irritiert dieses neue (furchtbare) körpergefühl so dermaßen dass ich mir wünsche 2 Kaiserschnitte gehabt zu haben. Die letzte Geburt ist bereits 6 Jahre her. Was können Sie mir raten? Viele freundliche Grüße!

Unsere Antwort

Es kann psychisch sehr belastend sein, wenn sich eine Frau nach ihren Geburten nicht mehr gut zurechtfindet in ihrem etwas veränderten Körper. Es kann dann manchmal zu einer regelrechten Fokussierung auf diese Region kommen und die Frau fühlt sich nicht mehr integer oder gesund oder sexuell attraktiv.

Schwangerschaften und Geburten sind manchmal für den Körper recht intensive Erlebnisse, die es danach zu verarbeiten gilt. Es muss ein neues Körpergefühl und -bild etabliert werden, und der Körper und insbesondere der Genitalbereich muss auf eine Art wie wieder zurückgewonnen und reintegriert werden. Das kann manchmal eine recht intensive Arbeit sein, die sich aber auf alle Fälle lohnt

Lies mal unsere Texte zum Thema Körperbild und Körpergefühl. Da bekommst du Ideen und Tipps, wie du dich selbst bei diesem Prozess am besten unterstützen kannst.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39507 von 10.03.2025

Liebes Team! Ich bin 31 Jahre jung und Mama von 2 Kindern. Bei meiner letzten Geburt vor 5 Jahren wurde ich nicht korrekt genäht.

Es handelte sich um einen DR I der am Vaginaeingang nicht sauber adaptiert wurde. Deshalb steht meine Vagina knapp 1cm offen und der Eingang ist nach rechts verzogen. Jetzt hatte ich bei der ersten Geburt schon eine traumatische Erfahrung beim Nähen (keine adäquate Betäubung etc.). Ich hätte gerne mal eine gute Erfahrung mit dem Thema gemacht. Gerade weil ich mir nochmal eine vaginale Geburt und eine Naht getraut habe. Bei der Nachuntersuchung bei der Gyn wurde nur gesagt „alles super“- als ich dann sagte, dass es für mich nicht korrekt genäht aussieht, hat sie es erst zugegeben. Ich habe auch danach die Hebamme die genäht hat konfrontiert und auch andere ärzt*innen nach einer Einschätzung gefragt. Die Reaktionen waren immer nach dem Motto: „das ist ja nur minimal“ und sie würden es so lassen. Gefahr der Überkorrektur, Blutungen etc…..

Jetzt hab ich mittlerweile von so vielen Frauen gehört, dass sie nicht gut genäht wurden und was die Fachpersonen so an unempathischen Aussagen treffen. Das macht mich so unfassbar sauer. Finde mittlerweile so lächerlich was in den Geburtsvorbereitungskursen zu dem Thema gesagt wird.

Ich verstehe diese „Fachleute“ einfach nicht. In meinem Kopf sind solche Gedanken wie „wir Frauen werden für dumm verkauft“, „es ist total egal ob wir uns nach einer Geburt noch attraktiv finden, Sex haben wollen/können etc“. Und ich fühle: jemand hat sich negativ an mir verewigt und jetzt soll ich mein Leben lang damit rum laufen.

Wenn es jetzt bei gynäkologischen Untersuchungen (die ich inzwischen meist vermeide) noch nicht mal thematisiert wird, bin ich wieder sauer weil ich mich wieder nicht gesehen fühle und einfach verarscht und für dumm verkauft.

Ich verstehe mittlerweile den Trend zur wunschsectio sehr gut, auch in Bezug auf den BB, und frage mich oft warum ich mir überhaupt 2 vaginale Geburten angetan habe. Vorher wird immer ein riesiges Theater gemacht in der Schwangerschaft und die postpartale Gesundheit von Müttern ist scheißegal.

Können Sie mir was zur Perspektive der Gyns und Hebammen sagen? Ich kann nicht mein Leben lang wütend sein, das weiß ich. Wünsche mir aber sehr diese Erfahrungen nicht gemacht zu haben und möchte meinen unversehrten Körper zurück. Fühle mich zerstört, in meiner Weiblichkeit beeinträchtigt und empfinde riesigen Hass auf das System. Sorry für die heftigen Gefühle… viele Grüße!

Unsere Antwort

Ich kann gut verstehen, dass du wütend bist, insbesondere, wenn du dich wiederholt von den Ärztinnen und Hebammen bei den Nachuntersuchungen nicht gut betreut und ernst genommen gefühlt hast. Da kann sich Vieles anstauen und unverarbeitet bleiben. Auch das Gefühl der Versehrtheit nach einer Geburt kennen sehr viele Frauen, nur schon durch die Geburt selbst, die ja oft zu zum Teil bleibenden körperlichen Beschädigungen führt, aber natürlich auch wenn der Dammriss nicht gut genäht wurde oder nicht gut verheilt ist. 

Dein Frust und dein Ärger sind sehr nachvollziehbar. Und dass sich dein Ärger und Misstrauen auf das ganze System ausweiten kann ebenfalls. Allerdings ist es schade, wenn du durch diesen inneren starken Frust dich wie "abmeldest" und dadurch zum Beispiel auch gesundheitliche Untersuchungen zu meiden beginnst.

Seit du deine Anfrage geschrieben hast, sind nun einige Tage vergangen. Wie geht es dir seither damit? Hat sich etwas verändert, dadurch, dass du es verschriftlichen konntest?

Meine Erfahrung ist, dass ungelöster emotionaler Ärger oder Frust sehr ernst zu nehmen sind. Und deshalb würde ich dir empfehlen, den Fokus vor allem darauf legen, wie du mit diesen negativen Gefühlen umgehen möchtest. Auch in einer Art, bei der du sozusagen wieder das Ruder über deine Befindlichkeit und Emotionen übernimmst. Denn wir haben mehr Macht, unsere Emotionen zu steuern als viele von uns denken. Häufig gibt es bei starken Emotionen auch verschiedene Phasen, die sich wandeln können, zum Beispiel von Wut, Abwehr, hin zu Annehmen und neu Integrieren.

Du hast etwas Schwieriges erlebt und den Eindruck, dass dir körperlicher Schaden zugefügt wurde. Dann ist Ärger eine wichtige Emotion, um dich abzugrenzen, um dich zu wehren und so weiter.

Idealerweise findest du dann Lösungen. In deinem Fall könnte das zum Beispiel eine Narbenkorrektur sein, wenn du denkst, dass das essentiell für dein Gefühl einer wieder intakten Vulva ist und du dich mit ihr in deiner Sexualität wieder wohl fühlen kannst. Und es gibt auch die Möglichkeit, sich stattdessen mit dieser neuen Vulva zu verbinden. Diese Vulva hat Spuren der Geburten davongetragen und ist ein Teil von dir. So ein Prozess der Re-Integration ins Körperbild ist eigentlich nach jeder vaginalen Geburt nötig. Bei einer offensichtlichen, bleibenden Vulvaveränderung wie bei deiner, ist dieser Prozess natürlich anspruchsvoller und kann länger dauern. Und dennoch ist er möglich und wichtig, und sehr heilsam. Es ist möglich, sich auch mit einer veränderten Vulva wieder sexuell attraktiv und lustvoll zu fühlen. Aber es braucht dafür eine bewusste Arbeit mit einer dem Körper zugewandten Einstellung. Da gehört auch Abschieds- und Vergebungsarbeit dazu, sich selbst und anderen gegenüber.

Welchen Weg du gehen möchtest, kannst nur du spüren. Vielleicht möchtest du dir noch stärker bei den Ärzten Gehör verschaffen und Wege einleiten, um eine operative Korrektur der Naht zu erreichen. Oder vielleicht möchtest du es beim jetzigen Zustand belassen, und deine ganze Energie und Aufmerksamkeit darauf lenken, wie du mit Integrationsarbeit zur Wiedererlangung deines Gefühls der körperlichen Integrität im Genitalbereich kommen kannst. Du könntest dich dabei auch von einer guten Sexualtherapeutin begleiten lassen.

Vielleicht interessieren dich in diesem Zusammenhang auch unsere Texte über Körperbild und Körpergefühl. 

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39506 von 09.03.2025

Hallo liebes Lilli-Team!
Ich bin 25, weiblich (bzw. demigirl) und Autistin.
Romantische und platonische Anziehung/Gefühle sind für mich sehr verwirrend (ich bin definitiv irgendwo auf dem aromantischen Spektrum). Ich habe aber, wie ich glaube, einen Crush/romantische Gefühle für einen Freund von mir. Schon ziemlich lange, ungefähr seit drei Jahren. Gleichzeitig mag ich ihn wirklich sehr als Freund, er ist absolut einer der wichtigsten Menschen für mich und kennt mich sehr gut. Ich kann nicht genau zwischen romantischen und platonischen Gefühlen unterscheiden.

In dieser Situation habe ich ein paar Fragen:
1. Soll ich ihm von meinen romantischen Gefühlen erzählen? Ich habe das bisher noch nicht getan, eben weil es so verwirrend ist für mich. Ausserdem bin ich vielleicht nicht mutig genug. Ich glaube, dass er mich nicht so sehr mag wie ich ihn, und es könnte etwas peinlich werden. Er ist toll und hat so viele Freunde und Leute, die ihn mögen. Ich bin eher seltsam und habe sehr wenige Freunde. Aber ich habe das Gefühl, dass ich ihm das erzählen sollte? Evtl. um einfach Klarheit zu haben? Aber ich weiß es nicht, ich habe auch Angst vor meinen Gefühlen, wenn es quasi endgültig ist.
2. Soll ich versuchen, meinen Crush irgendwie abzustellen? Wenn ja, wie geht das? Ich hatte davor nur einen anderen Crush, über den ich hinweggekommen bin, weil wir uns gar nicht mehr gesehen haben. In dem jetzigen Fall ist es aber keine Option, den Kontakt zu unterbrechen, weil er der engste Freund ist, den ich habe.
3. Ich habe Angst, dass ich ihn zu sehr mag. Geht das? Wäre das schlimm?
Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass wir offen über unsere Freundschaft reden und sie reflektieren. Er hat mir sehr geholfen, ich kann quasi Freundschaft mit ihm üben. In letzter Zeit wird unsere Beziehung aber immer ausgewogener, und das macht mich sehr glücklich (ihn freut das auch).

Ich hoffe, dass meine Fragen Sinn ergeben. Vielen, vielen Dank für Eure Hilfe!

Unsere Antwort

Romantische Gefühle können verwirrend sein. Das ist in dem Sinne erstmal «normal», deine Fragen machen also natürlich Sinn.

Sobald du etwas «anderes» als Freundschaft für jemanden empfindest, musst du als nächstes einordnen, was du nun tun sollst. Da vermischt sich gezwungenermassen auch oft Emotionales mit Rationalem, was nicht immer einfach ist, egal in welchem Alter du bist!

Super also, dass du dir Gedanken über die «Folgen» machst. Mit «deinen Crush abstellen» meinst du wahrscheinlich deine Gefühle erstmal ignorieren, denn ganz abstellen ist wohl schwierig? Hier könnte eine gute Faustregel sein, dass es auf deinen Leidensdruck drauf ankommt. Wenn es dich zu sehr schmerzt, ihm deine Gefühle nie zu sagen und trotzdem Zeit mit ihm zu verbringen, dann würde es mehr Sinn machen ihn einzuweihen. Sollte es für dich aber ok sein und dir die Freundschaft wichtiger, wäre es auch eine Option, vorerst nichts zu sagen. Gleichzeitig wäre es womöglich schade, sollte er die gleichen Gefühle haben und ihr wisst es voneinander nicht. Da kannst du auch zum Beispiel eine Pro-Contra Liste machen, also was wären die Vor- und Nachteile. Knifflig, aber die Entscheidung musst du selbst machen!

Du schreibst, dass du Autistin bist. Daher ist es für dich vermutlich schwierig, seine Körpersprache zu lesen, wenn du Andeutungen wie «ich mag dich wirklich sehr» machst. Das wäre noch ein Weg wie neurotypische Menschen versuchen herauszufinden, ob die Gefühle für die andere Person erwidert werden. Aber auch das birgt viele Möglichkeiten für Missverständnisse. Auf welche guten Erfahrungen könnt ihr aufbauen miteinander? Also wie sorgt ihr sonst für Klarheit miteinander? Wäre es eine Möglichkeit, dass du ihm klar sagst, dass du dir wünschst, dass ihr eure Freundschaft bewahrt, selbst wenn einer von euch tiefere Gefühle entwickelt?

Du schreibst, dass du Angst hast vor deinen Gefühlen, also wenn es endgültig ist. Macht es dir denn Angst, dass dann eine feste Beziehung daraus entstehen könnte, oder dass du verletzt würdest?

Es gibt zahlreiche Beispiele, dass Menschen weiterhin eine tiefe Freundschaft pflegen, auch wenn zeitweise Verliebtheitsgefühle da waren. Gefühle werden, wie du schon bemerkt hast, durch Abstand geringer. Nehmen wir an, du erzählst ihm von deinen Gefühlen und er möchte nur Freundschaft. Dann kann es gut sein, dass du erstmal eine Zeit keinen Kontakt brauchst, um dich von dem Wunsch einer romantischen Beziehung zu verabschieden. Und dann kannst du ihm wieder neu begegnen, wenn du dich sortiert hast. Wichtig ist, dass ihr in dem Fall offen miteinander darüber sprecht, was ihr braucht, um eure Freundschaft weiterhin zu pflegen. Vielleicht braucht es ein paar Versuche, bis ihr das findet, womit eure Freundschaft weiterhin gut funktioniert.

Auf deine Frage hin, ob du ihn zu sehr mögen könntest, würde ich zurückfragen: Zu sehr für was? Wobei steht dir die große Zuneigung im Weg? Du kannst auch allein für dich damit experimentieren, wie sich die Gefühle für ihn körperlich anfühlen. Bei einem Gefühl von "zu sehr mögen" vermute ich, dass sich körperlich das Gefühl in dir ausbreiten will, aber an irgendeiner Stelle hältst du durch Muskelspannung dagegen. Schau mal, wie sich das anfühlt, wenn du an ihn denkst, und das Gefühl der Zuneigung kommt. Richte deine Aufmerksamkeit, auf das, was du da spüren kannst, ohne es zu bewerten. Spür einfach hin. Wenn wir Gefühlen im Körper auf diese Weise Raum geben, fällt es leichter, einen Umgang damit zu finden. Schau dazu doch auch mal in diesen Text.

Ich hoffe das Feedback hilft und wünsche dir viel Erfolg mit deiner Entscheidung!

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39505 von 09.03.2025

Hallo lilli,
Ich bin 31 Jahre alt und habe jetzt erst meine erste Freundin. Wir wollten das letzte mal zum 1. Mal Sex haben aber bei mir hat es nicht geklappt, weil meine Erektion nicht mitgespielt hat. Wenn wir uns gegenseitig mit der Hand befriedigen klappt es meistens ganz gut.
Jetzt zu meiner Frage...
Ich habe mir jetzt solche penis Ringe aus silikon bestellt und gestern auch mal getestet. Die Erektion hat wirklich viel besser gehalten und war auch härter. Ich hatte sogar 1h später das Gefühl als ob das Blut da unten ganz anders fließt, ich habe nach einer stunde ohne den Ring direkt nochmal gut masturbieren können.
Ich habe allerdings Angst, dass diese Ringe irgendwie gefährlich sind oder auf Dauer schädlich sein können... könnt ihr mich darüber etwas aufklären?
Vielen lieben Dank schonmal

Unsere Antwort

Es ist wichtig, dass du den Penisring maximal 30 Minuten benutzt. Also nicht länger. Denn das kann zu Gewebeschäden führen. Der Ring sorgt dafür, dass zwar Blut in den Penis fließen, aber nicht mehr so leicht abfließen kann. Das erhält die Erektion. Mehr dazu steht in unserem Text Toys und Hilfsmittel für eine bessere Erektion

Ich möchte dich ermutigen, weiter den Sex mit deiner Freundin zu üben. Als Mann läuft man gerne Gefahr, dass man sich stresst, wenn es mal nicht geklappt hat. Viele vergessen jedoch, dass Sexualität erlernbar ist und es dazu Übung braucht. Da darf es auch Fehlschläge geben. 

Vieleicht kannst du deine Freundin in den Prozess miteinbinden, sodass ihr gemeinsam eure Sexualität erforscht und entwickelt. Offene Kommunikation nimmt viel Druck weg. Dann geht es nicht mehr um die Leistung, die erbracht werden soll, sondern um das gemeinsame Entdecken.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39503 von 09.03.2025

Guten Tag
Meine Gedanken drehen gerade mit mir durch...
Ich bin w, 32, verhüte nicht hormonell, sondern natürlich.
Kann ich schwanger werden, wenn ich mit meinem Partner während der Eisprungphase Oralsex hatte? Er hat sich bevor er mich gefingert hat, selbst berührt, dann ein Kondom übergezogen und mich dann gefingert. Vor dem Überziehen ist bei ihm ein glasklares Sekret (Lusttropfen?) herausgekommen. Danke im Voraus für eure Hilfe.

Unsere Antwort

Beim Oralsex kannst du nicht schwanger werden. Lies dazu bitte diesen Text.

Durch den Lusttropfen kannst du nur dann schwanger werden, wenn eine grössere Menge Lusttropfen direkt in deine Vagina gelangt. Dafür hätten die Finger deines Freundes vom Lustropfen ganz triefend sein müssen, als er sie in deine Vagina eingeführt hat. In diesem Text erfährst du mehr über den Lusttropfen. Und in diesem Text kannst du nachlesen, worauf du achten solltest, um beim Petting zu verhüten.

Es ist ausserdem sinnvoll, dass dein Freund seinen Penis trocken wischt, bevor er das Kondom überzieht. Vielleicht interessiert dich auch der Text Wie wende ich Kondome richtig an? und das Kapitel Natürliche Methoden der Verhütung.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39502 von 09.03.2025

Möchte mich nur bedanken für ihren Tipp " Selbstbestimmt steril".Meine Kosten in [...] nur 980 Euro.Mit 19,super Arzt liebe MPA.Nochmals Danke für den super Tipp.Gruss

Unsere Antwort

Vielen Dank für dein Feedback. Wir freuen uns, dass wir dir mit diesem Tipp weiterhelfen konnten.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Frage Nr. 39501 von 09.03.2025

Hallo Lilli-Profis,

Zunächst einmal entschuldige ich mich, falls ich Fehler auf Deutsch mache. Es ist nicht meine Erstsprache, und ich habe mich zur Unterstützung eines Übersetzungsprogramms bedient, um euch das hier zu schreiben. Ich kann eure Texte jedoch relativ gut lesen, dank Online-Übersetzern. Ich bin auf eure Artikel über romantische Beziehungen gestoßen und habe sie wegen ihrer Informationsfülle und der verständlichen Aufbereitung sehr geschätzt.

Also, hier ist meine Situation: Ich bin ein 28-jähriger Mann und habe wenig Erfahrung mit romantischen Beziehungen. Eigentlich hatte ich noch nie eine Freundin. Ich glaube, dass verschiedene Umstände dazu geführt haben, dass ich bisher keine Beziehung hatte, aber in meinen frühen Zwanzigern habe ich auch nicht aktiv danach gesucht. In den letzten Jahren hat sich mein Leben stark verändert. Ich habe aufgehört, Leistungssport zu betreiben, den ich seit meiner Kindheit intensiv ausgeübt habe (obwohl mein Lebensstil für die meisten wahrscheinlich immer noch als sehr sportlich gilt). Dadurch habe ich ein Stück weit meine sozialen und identitätsbezogenen Bezugspunkte verloren. Außerdem bin ich von meinem Elternhaus in eine Stadt gezogen, um mein postgraduales Studium in einem wissenschaftlichen Bereich zu absolvieren. Kurz gesagt, ich habe einige Zeit gebraucht, um mich neu zu orientieren – ein Prozess, der noch andauert. Aber ich hatte in dieser Zeit wenig Interesse oder emotionale Verfügbarkeit, um eine Beziehung zu suchen.

Psychologisch gesehen hatte ich wohl schon immer gewisse Vorbehalte gegenüber engen Beziehungen wie romantischen Partnerschaften. Ich wollte vermeiden, in einer unausgeglichenen Beziehung zu landen, wie ich sie bei meinen Eltern erlebt habe, wo mein Vater meiner Mutter ständig nachgeben muss (oder dasselbe bei meinen Großeltern). Ich hatte Angst davor, mich in einer Art "Gefangenschaft" wiederzufinden. Ich wünsche mir eine Beziehung, in der ich meiner Partnerin auf Augenhöhe begegnen kann. Mein Verständnis davon ist, dass – basierend auf meinen Erfahrungen mit Freundschaften und anderen Beziehungen – ich viele Eigenschaften, Werte und Interessen mit meiner Partnerin teilen müsste, ähnlich wie mit einem besten Freund.

Nun zu meiner aktuellen Herausforderung: Vor ein paar Wochen habe ich an der Universität eine Frau kennengelernt, deren Persönlichkeit mich stark anzieht. Wir teilen viele intellektuelle Interessen und Denkweisen auf eine bemerkenswerte Weise. Tatsächlich habe ich selten jemanden getroffen, mit dem ich eine derart tiefe gegenseitige Verständigung gespürt habe. Außerdem finde ich sie körperlich sehr attraktiv. Ich weiß noch nicht viel über ihren Lebensstil außerhalb der Universität, aber auf den ersten Blick scheint er sich von meinem zu unterscheiden. Zum Beispiel scheint sie kein besonderes Interesse an Sport und Outdoor-Aktivitäten zu haben und ist gut an das Stadtleben angepasst – im Gegensatz zu mir, der aus einer ländlicheren Gegend stammt.

Ich zögere, sehr direkt mit ihr zu flirten, weil ich unsicher bin, wie kompatibel wir langfristig wirklich wären. Gleichzeitig habe ich einen starken Wunsch, es zu tun – ich habe mich sogar selbst dabei überrascht, wie ich sie spontan zum gemeinsamen Lernen eingeladen und ihr ehrliche Komplimente gemacht habe. Meine Angst ist, in eine Beziehung zu starten, die scheitert und sie verletzt, weil ich meine eigenen Bedürfnisse falsch eingeschätzt habe – oder dass ich damit eine sich potenziell entwickelnde enge Freundschaft zerstöre. Andererseits glaube ich, wie ihr in euren Texten so schön schreibt, dass es nichts gibt, was das Lernen durch reale Erfahrungen ersetzen kann. Deshalb möchte ich mir die Zeit nehmen, in Ruhe darüber nachzudenken, um besser einzuschätzen, ob meine Angst berechtigt ist.

Bevor ich sie kennengelernt habe, dachte ich, dass die wichtigste Eigenschaft einer Partnerin für mich wäre, dass wir uns charakterlich gut verstehen. Rational betrachtet hätte ich Sportlichkeit als zweitwichtigste Eigenschaft angesehen, zumindest auf einem geringen Niveau, um einen ähnlichen Lebensstil zu teilen – da dieser Aspekt für mich doch eine gewisse Bedeutung hat. Allerdings habe ich bislang noch keine sportliche Frau getroffen, mit der es auf persönlicher Ebene so sehr "geklickt" hat. Ich möchte rational und überlegt an die Sache herangehen, ohne mich jedoch zu sehr an meine bisherigen Vorstellungen zu klammern – denn möglicherweise habe ich die Bedeutung einzelner Aspekte falsch eingeschätzt. Schließlich ist mein aktueller Lebensstil nicht nur ein Produkt meiner Interessen und Werte, sondern auch dessen, worauf ich bisher in meinem Leben gestoßen bin.

Wie kann ich realistisch einschätzen, ob eine romantische Beziehung mit dieser Frau funktionieren könnte (vorausgesetzt natürlich, dass sie ebenfalls interessiert wäre)? Hättet ihr Ratschläge für mich, um meine Gedanken dazu besser zu ordnen?

Vielen Dank!

Unsere Antwort

Ich sehe, dass du dir viele Gedanken machst. Und ich höre auch deine Angst: Angst vor dem Ungewissen, dem Unbekannten; Angst davor, verletzt zu werden oder jemand anderen zu verletzen. All das ist total normal, aber lass dich davon nicht lähmen. Du schreibst, du möchtest „rational und überlegt“ sein, aber letztendlich ist Liebe nicht nur rational. Und wir können nie mit Sicherheit wissen, ob eine Beziehung klappen wird oder nicht, wenn wir es nicht ausprobieren. Liebe ohne Risiko gibt es nicht. Sie geht immer einher mit Verletzlichkeit. Mach dir bewusst, dass deine vielen Gedanken auch ein Ausdruck von Angst sind und ein Versuch deines Gehirns, dich zu schützen. Letztendlich kannst du bei diesem Thema aber wahrscheinlich nur durch Ausprobieren und Erfahren weiterkommen, nicht durch Nachdenken.

Wenn du diese Frau magst und den Eindruck hast, dass ihr gut zueinander passen könntet, dann probier doch mal, wie es ist, mit ihr zu flirten. Wenn sie auch romantisches Interesse an dir hat, ist das eine gute Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Bedürfnisse verändern sich ohnehin im Laufe des Lebens. Und manchmal schätzen wir auch falsch ein, worauf es in einer Partnerschaft wirklich ankommt. Sportlichkeit ist dir wichtig, aber es muss dennoch nicht entscheidend sein für eine gute Beziehung. Es ist gut, wenn beide Personen auch ihre eigenen Interessen haben. Das muss nicht alles gleich sein. Außerdem kann sich sowas ja auch ändern, sowohl bei dir als auch bei ihr. Mit wem wir unser Leben teilen, verändert schließlich oft auch etwas an unseren Interessen und Hobbys. Ganz davon abgesehen, können auch kurze Beziehungen sehr wertvoll sein. Probier daher mal, ein bisschen mehr in der Gegenwart zu sein und weniger zu versuchen, die Zukunft vorherzusagen. Wenn du merkst, dass da Angst bei dir hochkommt, hilft dir vielleicht auch das tiefe Atmen. Schau dazu mal in diesen Text: Wie lerne ich tief atmen?

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema

Next page